06 Mai, 2012 von Thomas Noschka · 6 Kommentare

Was wir von Kindern in der Kunst lernen können

Was wir von Kindern in der Kunst lernen könnenIst Kunst etwas, das gelernt werden muss? Ist die Fähigkeit, schön zu zeichnen, angeboren oder kann ich sie auch trainieren? Und vor allem: Wie wichtig ist es, so perfekt, so realistisch wie möglich zu zeichnen? Kinder verstehen die Kunst meist besser und verzaubern uns durch Kreativität.

Als ich dieses Bild entdeckte, war ich fassungslos, natürlich im positiven Sinne: Ein Kind aus der ersten Klasse zeichnet ein wunderbares Bild und erklärt in einem Satz, wie schön die Welt doch ist und das wir unser Leben genießen sollen. Auf diesem Bild lässt sich ein Hügel, zwei dasitzende Kinder sowie ein knallige Regenbogen erkennen. Ein Bild, kombiniert mit einem unglaublich starken und auch sehr prägnanten Satz – von einem ca. 6-7 Jahren jungen Kind? Schaut es euch selbst an:

A fantastic drawing by a little girl

Ist das nicht unglaublich? Sicherlich werden einige von euch meine Faszination nicht ganz teilen können und sich womöglich fragen, wieso ich hier schier ausflippe. Ich möchte es aus der Sicht der Kunst gerne mal erklären.
Als Kind lebt man wirklich frei von jeglichen Problemen, genießt das tagtägliche Leben und hat Spaß an jeder Sache. Das Zeichnen kommt dabei ganz aus dem Herzen, frei aus dem Bauch heraus wird die Kreativität von Kindern auf Papier festgehalten. Natürlich sieht das jetzt nicht total realistisch und perfekt aus um sagen zu können, dass hier ein richtiger Künstler am Werk ist. Aber darum geht es ja auch gar nicht…
Je älter man wird, desto mehr Probleme tauchen auf und desto ernster nimmt man sein Leben und seine Tätigkeiten. Wenn ihr heute ein Bild zeichnet – seid ihr zufrieden damit? Radiert ihr oftmals einige Striche weg, weil es irgendwie unförmig und nicht perfekt aussieht? Ihr denkt euch, dass das Bild weniger Beachtung bekommt, wenn die Feinheiten und Formen nicht stimmig sind. Ich glaube, dass dieser Punkt unsere Kreativität allmählich mindert, da wir diesen Komplex in uns haben, Bilder zu erschaffen, die nahezu perfekt und an Realismus grenzen.

Was Kinder hier aber schaffen, ist eine richtige Geschichte. Ihnen ist es egal, ob ein Bild perfekt aussieht oder nicht – sie erzählen aus ihren Herzen eine wahre Geschichte bzw. Erzählungen, mit denen sie sich beschäftigt haben. Und genau das ist das Faszinierende und auch Wichtige an der Sache, die heute nur noch Wenige beachten. Es ist nicht wichtig, wie gut ein Bild gezeichnet wurde. Was zählt ist einzig und allein die Kreativität und die Geschichte, die erzählt wird! Bevor ihr euch also zwingt, ein Bild zu zeichnen, das wohlmöglich schon in zig Variationen besteht, solltet ihr versuchen, eure Gefühle und komplette Kreativität auf ein Blatt Papier festzuhalten!

Abschließende Worte…

Ich möchte an dieser Stelle dazu appellieren, sich weniger Gedanken um die Perfektion, sondern vielmehr um das gewisse Etwas zu machen. Das Kind, dass dieses Bild gezeichnet hat, erzählt bereits in ihrem jungen Alter eine wahre Geschichte! Sollte uns das nicht ermutigen und zu Denken geben? Genießt das Leben in vollen Zügen, kostet es aus und entwickelt etwas ganz Besonderes! Es muss nicht perfekt sein – aber es sollte etwas Kreatives, etwas Einzigartiges, etwas noch nie Dagewesenes sein!
Behaltet das im Hinterkopf und lasst eurer Kreativität freien Lauf!

Autor Thomas Noschka
Wer schreibt hier?
Hallo, ich bin Thomas – Blogger, Grafik- und Interface Designer. Ich skate gerne, trinke Tee, reise oft und sehe das Internet als große Spielwiese an. Wenn du mehr über mich wissen möchtest, dann besuche mich auf Twitter, Facebook, Google+ und YouTube
6 Comments:
  1. Das ist echt ein sehr interessanter Artikel

    Und du hast auch völlig recht sobald man anfängt zu Zeichnen und man zeichnet ein wenig daneben und radiert das halbe Bild wieder weg ^^

    MfG

    TheLegendKevinLP · Mai 06, 2012
  2. wow, richtig toll geschrieben =)
    ich für meinen Teil habe während meines Freiwilligen Sozialen Jahres in einem Kindergarten gelernt, dass sich manche Kinder wirklich viel mehr Gedanken über die Geschichte des Bildes machen, während sie es malen, als darüber, wie es am Ende aussieht ^^
    ein Kind z.B. hatte eine richtig blühende Fantasie und erklärte mir meist genau, was auf dem Bild so alles passierte und zu sehen war und warum die Figuren aussahen, wie sie aussahen =) es entwickelte fast schon kleine Hintergrundgeschichten zu den einzelnen Figuren ^^
    das fand ich echt richtig faszinierend und erstaunlich ^^
    Kindern ist es auch meist egal, ob viele mögen, was sie tun, solange es ihnen selbst gefällt
    ich finde es echt wichtig, dass man nicht immer das macht, was als „perfekt“ oder „gut angesehen“ gilt, sondern eben das, was einem Spaß macht ^^

    ShadowKibaWolf · Mai 06, 2012
  3. Ich verstehe genau was du meinst. Es geht nicht um Perfektion, es geht lediglich um die Gedankengänge und die eigentliche Aussage vom Bild. Enstehen können solche Bilder nur von Kinderhand, ein Erwachsener kann unmöglich eine so verfeinerte Aussage in einem Bild festhalten! Und warum? Ganz einfach, er würde es zu perfekt anstreben und könnte die Aussage aufgrund negativer Lebenserfahrungen gar nicht richtig wiedergeben – das Kind schon, da es tatsächlich den eigenen, fest überzeugten Gedanken im Bild festhält.

    Kinder sind da allgemein sehr direkt unterwegs. Selbst in der Kommunikation, ein Kind sagt, was es denkt. Ob es etwas mag oder nicht, das Kind sagt es bzw. macht es mehr als nur deutlich. Schauen wir uns da mal die Erwachsenen (Uns!) an….sie konkurrieren, hintergehen sich gegenseitig und kümmern sich nur um sich selbst, zumindest der Hauptteil. Was schließen wir daraus? Genau, wir haben gar nicht mehr die Möglichkeit so ein Bild zu zeichnen im Gegensatz zu einem Kind, allein schon wegen unserem Drang, perfekt sein zu wollen, des Weiteren halten wir die Aussage des Bildes für eine Lüge nach dem Motto „Ach das Leben hat auch wirklich seine negativen Seiten…“ –> Wie wollen wir eine Aussage, die wir für eine Lüge halten, ernsthaft in einem Bild festhalten?! Da fällt schon arg auf, dass wir tatsächlich in unserer Entwicklung auch durchaus wichtige Fähigkeiten verlieren können…schade drum eigentlich.

    Dazu ergänzend kann ich noch sagen, dass dieses Bild mich tatsächlich auch berührt hat und ich freue mich sehr, dass du das auch so siehst. Bei Betrachtung solcher Bilder wird mir warm ums Herz, aber gleichzeitig empfinde ich auch Hass, weil ich mich darüber aufrege, dass die Menschen während ihrer Entwicklung dieses „gewisse Extra“ verlieren. Irgendwo in uns ist es sicher noch, aber nur die wenigsten haben die Gabe, das auch zeigen zu können, da es als Zeichen einer „Schwäche“ gesehen wird und so automatisch Opfer der Unterdrückung wird.

    Zum Schluss: Hammer Artikel Thomas! Die Kombination von sozialem und Kunst ist eine sehr interessante und durchaus stark verbreitete Verbindung. Hier wird mal wieder deutlich, dass ein Bild tatsächlich mehr als 1000 Worte sagen kann. Des Weiteren wird erkennbar, dass der Mensch in seiner Entwicklung durchaus auch wichtige Fähigkeiten verlieren kann. Da sollte man sich tatsächlich mal fragen: Wie können wir diese Fähigkeit behalten? Allerdings ist der Mensch an sich dazu nicht kooperativ genug und es wird sich wohl kaum was ändern. Den Artikel hast du jedenfalls richtig toll verfasst, das war mal ein Artikel, der meine Stärken angesprochen hat! Großen Respekt Thomas! Weiter so!

    Maddin · Mai 07, 2012
  4. Du schreibst mir sowas von aus der Seele *___*
    Ich beneide die Kinder immer immer wieder um ihre grenzenlose Fantasie und ihre Kreativität. In meinem Prakitkum im Kindergarten zum Beispiel, was die sich alles ausgedacht haben. Am ersten Tag hab ich mit einem kleinen Jungen so getan, als würde ich Rohre verlegen oder beim Verkleiden gabs plötzlich einen Drachenarzt. Auf sowas würden wir kaum kommen ohne uns vorher die Köpfe zu zerbrechen.
    Auch letztens als ich mit meiner kleinen Cousine Bilder gemalt habe. Sie war so drin in ihrer Malwelt, während ich ihr was vorgesungen habe und hat echt so viel Liebe in ihr Bild gesteckt, während wir wie du sagst, mehr nach Perfektion und Anerkennung streben als nach der wirklichen grenzenlosen und freien Schönheit eines Bildes, was ich auch sehr bedauere.
    Ich bedauere es sehr, erwachsen zu werden, schon seit Jahren, weil man immer mehr merkt, wie sehr einem die kindliche Kreativität und Sorglosigkeit durch diese grausame Welt und die Gesellschaft abhanden kommt. Deshalb stehe ich voll und ganz hinter deinem Appell, besser als du es gesagt hast, kann man es kaum machen.
    Vielen Dank für diesen grandiosen Artikel und dieses fantastische Bild, ich kann deine Begeisterung echt verstehen. ♥

    Debbie Moon · Mai 08, 2012

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