27 Mai, 2011 von Thomas Noschka · 3 Kommentare

Unterscheidung zwischen Fotografie und Zeichnung

Die Unterscheidung zwischn Fotografie und einer Zeichnung

Wo liegen hier die Unterschiede?

Kann ein realistisch gezeichnetes Bild als reines Foto durchgehen oder sind die Unterschiede hier zu gravierend? Wie verstehen wir ein Motiv und welche nennenswerte Faktoren spielen hierbei eine Rolle? Im heutigen Artikel dreht sich alles um die Unterscheidung von Fotografie und Zeichnung, Leseweisen und Merkmale. Welche Aspekte müssen beachtet werden und wo greift die Semiotik ein?

 

Um ein Bild unterschieden zu können, ist eine Semiotik (Zeichentheorie, Zeichenwissenschaft) notwendig. Es ist eine klare Analyse, wie wir sie vom Analysieren von Werbung kennen. So bedeutet die strukturalistische Semiotik, dass eine Untersuchung von Zeichensystemen gemacht wird, die alle Zeichen als Zeichen der gesprochenen Sprache versteht. Das mag zwar etwas kompliziert klingen, aber ich breche das mal ganz einfach auf einen Nenner herunter:

Signifikant: Die Konnotation (der Ausdruck, die Expression). Das ist der Ausdruck eines sprachlichen Zeichens, was auf materielle oder quasi-materielle Formen und damit auf eine Bedeutung verweist. Es bedeutet also, dass der Signifikant des Bildes »DAS« Bezeichnende ist, demnach erklärt es dem Betrachter, was genau auf dem Bild zu sehen ist, was es bedeutet.

Signifikat: Die Denotation (die Darstellung, die Repräsentation). Das ist das Vorstellungsbild auf welches mittels eines bestimmten Signifikanten verwiesen wird. Das heißt, dass es das Bild selbst darstellt, was mittels des Ausdruckes erklärt wird. Es ist »DAS« Bezeichnete und wird im Gegensatz zur Konnotation nicht verwiesen.

Um das jetzt zu manifestieren – folgendes Beispiel: Das Bezeichnete und damit Signifikat ist der Mond. Es ist die Darstellung, ein Bild, was sich jeder vorstellen kann. Das Bezeichnende, also der Signifikant, ist in diesem Beispiel »Mond«. Der Ausdruck bedeutet also, dass wir bei einem Mond an Mond denken, an die Nacht, Dunkelheit. Es bezeichnet sozusagen den Zustand und gibt einen festen Ausdruck. Wie ihr sehen könnt, hängen beide Faktoren sehr nah beieinander, sie funktionieren nur zusammen.

Aber wie sieht es denn jetzt mit der Unterscheidung zwischen Fotografie und Zeichnung aus? Hier habe ich für euch die wichtigsten Erkennungsmerkmale aufgestellt:

Fotografie
• Nachricht ohne Interpretation hervorzurufen bzw. zu fördern
• Kann buchstäbliche Nachrichten übermitteln
• Kann nicht in die Szene eingreifen
• Mythos der Natürlichkeit wird verstärkt, wenn Interpretation nicht möglich ist
• Neue Kategorie des Zeit-Raum-Verhätlnisses
• Die Realität des Dagewesenseins

Bei Zeichnungen sind die Absichten meist versteckt, was bei der Fotografie nicht der Fall ist und somit nicht interpretierbar sein muss. Da klar erkennbare Elemente enthalten sind, werden Nachrichten auch leichter übermittelt. Dadurch, dass es eben die Realität widerspiegelt und einen Augenblick für immer festhält, kann in die Szene nicht eingegriffen werden – ein Künstler könnte noch etwas dazu zeichnen.

Zeichnung
• Klares Regelsystem
• Die Situation wird verändert
• Der Stil des Erstellers verändert die Szene
• Es verlangt eine Lehre
• Die projektive Schrift ist lesbar (psychologischer Aspekt)
• Konnotierte Nachricht wird durch eine Codierung erleichtert
• Ganz anderer Ethos als bei einer Fotografie

Im groben kann man sagen, dass es direkt das Gegenteil der anderen Faktoren ist. Da der Künstler direkt in das Bild eingreifen kann, weiß niemand, ob es der Realität entspricht und was er uns damit sagen möchte. Eine Lehre wird daher verlangt, das Verständnis, Bilder lesen und analysieren zu können.

Die Frage, die sich jetzt zum Schluss noch stellt: Wie lesen wir Menschen Bilder eigentlich? Auch hier gibt es mehrere Aspekte, die uns die entsprechenden Hinweise dazu liefern:

• Der Mensch hat mehrere Leseweisen
• Die Anzahl und Identitäten der Leseweise, hängt von der individuellen Sprache eines Jeden ab, da jede Person unterschiedliches, kulturelles Wissen und Erfahrung mitbringt, was die Interpretation beeinträchtigt.
• Das Bild kann durch eine Architektur von individuellen Zeichen eine variierende Tiefe der Leseweisen aufbauen.
• Durch einen Aufbau der Psyche (Sprache), ist Interpretation von Bildern schwieriger.

Letztendlich kommt es hauptsächlich auf die Zielgruppe an. Eine Fotografie, auf dem ein altes Bauwerk zu sehen ist, kann von älteren Menschen leichter verstanden und interpretiert werden, als von Jüngeren.
Mal abgesehen von der Bildbearbeitung kann durchaus gesagt werden, dass ein Foto immer die Wahrheit »sagt« und somit klarer zu definieren ist.

Autor Thomas Noschka
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3 Comments:
  1. Ich hab durchaus schon Bilder gesehen die so verdammt gut gezeichned waren das man es auch als Foto durchgehen lassen kann :D Komm aber stark darauf an wie oder besser wer es zeichned ! so ein Meistermaler hat schon bessere chancen ein foto zu malen (sozusagen) als irgent ein Klekser ^.^

    DennisS · Mai 28, 2011
  2. Es gibt definitiv Zeichnungen die zumindest vom Aussehen her so gut sind, das man sie für ein Foto halten könnte. Was ist eigentlich mit einem Foto das eine Zeichnung darstellt..? :3 Ist das dein ein Foto oder eine Zeichnung…? Eigentlich müsste es ja beides in sich vereinen x)

    Sehr informativer und interessanter Artikel Danke dafür! :D

    ~Fubey

    Fubey · Mai 28, 2011

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