Sinnlose Veröffentlichung oder Meinungsfreiheit?

Was darf ich im Internet von mir preisgeben?
Bild: Flickr.com – hannes.a.schwetz

Dass das Internet nichts vergisst, wissen wir bereits. Sie ist neben einer wirklich tollen Informationsquelle aber auch ein tolles Werkzeug zur Kommunikation mit vielen verschiedenen Menschen – global! Doch das Internet ist auch ein Datengrab und hortet jede noch so sinnlose Veröffentlichung einer Person. Wie viel sollte man von sich maximal preisgeben?

Auch dieser Artikel, neben dem Web 2.0 an Schulen, knüpft an einen Vortrag beim Media Space an. Der Vortrag von Andrea Wardzichowski zeigt genau die Punkte einer sinnlosen Veröffentlichung auf: Welche Informationen geben wir preis… welche sollten wir lieber für uns behalten?!
Habt ihr schon mal die Reaktionen eurer Freunde in sozialen Netzwerken wie Facebook beobachtet? So gut wie niemand, höchstens mal die beste Freundin bzw. der beste Freundin, reagiert auf sinnlose Postings wie »Gehe jetzt duschen, danach noch ein paar YouTube-Videos reinziehen«. Natürlich sind das Informationen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht wirklich ausschlaggebend für andere Benutzer sind… aber wieso ein solch sinnloser Post? Würde man eine Reihe solcher Postings analysieren, könnte man einen ganzen Tagesablauf des jeweiligen Menschen nahezu perfekt rekonstruieren – für Stalker das gefundene Fressen, wenn ihr mich fragt!

Der Appell: Öffentliche Daten nutzen, Private schützen!

Das Internet ist kein böses Medium, das euch die Privatsphäre wegnimmt – ihr sitzt doch am längeren Hebel und habt die volle Kontrolle darüber, was ihr in die Öffentlichkeit postet. Wie sah das Internet damals aus? Das Internet war in erster Linie unidirektional. Das bedeutet, dass es in der Kommunikation keinen direkten Empfang gab. Es gab keine Chatrooms, in denen ihr wusstet, dass euer gegenüber gleich darauf antworten wird. Stattdessen lief alles strikt nur über Mails ab. Trotzdem wird es damals wie heute als große Informationsquelle gesehen, in der ihr zu jedem Thema etwas finden könnt.
Heute sieht das World Wide Web etwas anders, interaktiver aus: Es ist zum einen rückkanalfähig! Ihr könnt beispielsweise an Petitionen teilnehmen, leichter Kontakte knüpfen, zum Beispiel in der Politik und könnt auch jederzeit an Diskussionen teilnehmen – mit jeder Person, weltweit. Gerade dieses Interagieren zwischen Benutzern hat sich in den letzten Jahren stark verändert und wird immer stärker und wichtiger.

Ist das nicht super? Wir kommunizieren viel mehr mit den verschiedensten Menschen! Aber werden wir dadurch auch nicht irgendwo leichtsinniger und veröffentlichen sinnlose Dinge? Es gibt Daten im Netz, die wir freiwillig rausrücken. Dazu gehören:

  • soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter
  • Communities jeglicher Art
  • Arbeit in der Selbstständigkeit
  • politische Arbeit
  • eigene Webseite oder auch Blog

Natürlich gibt es in sozialen Netzwerken die Möglichkeit, mit Fake-Accounts unterwegs zu sein. Doch im Grunde genommen sind das wirklich sehr private Daten, die wir freigeben und von Servern speichern lassen. Wir werden dadurch total transparent.

Motive und Ziele

Wieso bin ich ein Mensch, der sein ganzes Leben im Internet festhält, was sind meine Beweggründe und was habe ich davon? Oder warum halte ich mich überhaupt im Internet auf? Der erste Punkt wäre natürlich, dass ihr keine Verpflichtungen zur Meinungsäußerung habt. Ihr könnt im Netz schmökern ohne dass auch jemand über die Finger schaut und mit euch ins Gespräch kommt. Andererseits habt ihr auch die volle Meinungsfreiheit und könnt ordentlich Senf geben. Gerade Menschen, die im realen Leben eher zurückhaltend sind, erkämpfen sich gerne hohe Plätze im Internet – hier kennt man sie nicht, hier weiß niemand, wie die Person hinter dem Pseudonym aussieht. Oder wie wäre es mit der Teilnahme an der Politik? Auch hier gibt es massig viele Interaktionsmöglichkeiten, die man nur im Internet findet.
Natürlich wird auch im Netz gerne eingekauft. Portale bieten Käufern die Möglichkeit, Produkte zu bewerten, wodurch auch Feedback ein großes Motiv im Internet ist, weswegen sich Menschen darin aufhalten. Diskussionen über das alltägliche Leben oder spezifische Themen sind natürlich auch von Interesse, kennen sicherlich die Meisten von euch persönlich. Aber was ein sehr großer und wichtiger Punkt ist: Selbstdarstellung bzw. Selbstständiger! Gerade diese zwei Gruppen haben das größte Motiv im Internet, warum sie sich darin aufhalten. Sie möchten ihren Fans nahe sein und veröffentlichen daher oftmals sinnlose Postings, was sie greifbarer und »menschlicher« macht. Wer selbstständig ist, kämpft im Markt um seine Position – da kann jede PR gut sein!

Doch ist das Internet nicht schon zu gewaltig? Überlegt doch mal, wir diskriminieren Menschen, die kein Internet bzw. Smartphone haben! Ein sehr schönes Beispiel kennt man vielleicht aus dem Sport-Verein. Wenn damals das Fußballtraining ausgefallen ist, wurde eine Telefonkette gestartet, sodass jeder Bescheid wusste. Heute läuft das ganz anders ab: Der Trainer postet auf der Facebook-Gruppe, dass das Training ausfällt. Betrachtet diesen Punkt mal ganz objektiv: Ist das nicht Diskrimierung? Das bedeutet doch, dass ich ein Smartphone oder zumindest ständig Internetzugang haben und wohlmöglich jederzeit meine Mails und die sozialen Netzwerke checken muss! Geht das Internet nicht ein wenig zu weit?

Tipps zum Schutz vor Sinnlosigkeit

Es gibt ein paar Punkte, eine Art Checkliste, die man durchgehen kann. Dadurch könnt ihr euch versichern, ob euer Post sinnlos oder sinnvoll ist. Ihr müsst euch dazu einfach folgende Fragen stellen:

  • Wie wichtig ist meine Äußerung überhaupt?
  • Ist mein Post aufbewahrenswert?
  • Was darf die Allgemeinheit über mich wissen?
  • Möchte ich das noch in einem Jahr von mir lesen wollen?
  • Und vor allem: Wer würde das lesen wollen?
  • Will das meine Familie von mir lesen?
  • Und mein Arbeitgeber? Will er das lesen?

Auch Gedanken über private Fotos und Blogs sollte man sich machen. Welche (Party-)Bilder veröffentliche ich und worüber schreibe ich in meinem Blog, der eventuell sogar als Online Tagebuch fungiert?
Nachdenken! Das Internet ist mittlerweile ein sehr mächtiges Tool und die junge Generation wächst damit auf – wie gefährlich ist es wirklich!?

Veröffentlicht von

Thomas Noschka

Hallo, ich bin Thomas – Blogger, Grafik- und Interface Designer. Ich skate gerne, trinke Tee, reise oft und sehe das Internet als große Spielwiese an. Wenn du mehr über mich wissen möchtest, dann besuche mich auf Twitter, Facebook, Google+ und YouTube

3 Gedanken zu „Sinnlose Veröffentlichung oder Meinungsfreiheit?“

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