Der Streit zwischen der Ästhetik und der Philosophie

Die Dialektik der Ästhetik – der große Philosophie-Streit

Ästhetik ist eher was für die Frau! Frauen haben einfach geringere analytische Fähigkeiten als Männer – dafür aber ein höheres Schönheitsempfinden. So bekamen Philosophieprofessorinnen meistens den Rat des Doktorvater, ein Thema aus dem Bereich der Ästhetik zu bearbeiten. Allerdings ist seit über einem Jahrzehnt eine Ermattung in der philosophischen Ästhetik eingetreten. Wie kam es zu diesem Wertverlust?

Dieser Artikel wird in Form einer Auseinandersetzung für ein Referat geschrieben. Es handelt sich dabei um einen wissenschaftlichen Text mit dem Titel »Die Dialektik der Ästhetik, der neue Streit zwischen Kunst und Philosophie«.

Die Kunsttheorie, Kunstkritik, Wahrnehmungsphilosophie und andere kunstnahen Theorien, konkurrieren mit der Ästhetik, die ein Teilbereich der Philosophie bildet. Dabei möchte sich die philosophische Ästhetik abheben und stärker abgrenzen: Dadurch, dass sie in ihrem eigenen Bereich der wahrnehmbaren Schönheit bleibt und nicht in andere Teilbereiche eingreift, möchte sie sich gleichzeitig dadurch absichern, dass andere Bereiche nicht in ihren Bereich eingreifen. Wie ist das zu verstehen? Ästhetik hat einen ganz anderen Blick auf die Kunst, auf den Gegenstand, als viele andere kunstnahe Theorien. Sie durchgeht eine Selbstreflexion bzw. Selbstkritik und fragt sich, ob der Gegenstand schön und ab wann er schön ist. Doch die Ästhetik erkennt nicht, dass sie dadurch den Wert und Inhalt zerstört. Das Thema missbraucht sich selbst, da es sich nicht isolieren kann.
Sinn und Recht der Ästhetik bestehen nicht aus dem Wissen über den jeweiligen Gegenstand, da sie gegenüber der Kunsttheorie, Kunstkritik und Wahrnehmungsphilosophie keinen Vorrang des Wissens über ihre Gegenstände besitzt. Es ist vielmehr das Schönheitsempfinden, eine Selbstreflexion und nicht das Wissen, das die Ästhetik ausmacht. Hier ein Beispiel:

Ein Beispiel zur ästhetischen Auseinandersetzung

Die Ästhetik beschreibt, ob das folgende Bild schön oder eher unschön ist. Warum es so wirkt, spielt keine Rolle. Doch verliert das Bild dadurch nicht an Wert und Inhalt? Andere kunstbezogene Theorien beschreiben – oder man möchte schon fast sagen – »zerlegen« das Bild in ihre Einzelteile und beschreiben es genauestens. Warum wurde das Bild mit Acrylfarben gemalt, wieso wurde ein tiefes Schwarz für die Schatten gesetzt? Fragen wie diese werden von der Ästhetik nicht beantwortet; genau das ist der Knackpunkt! Die Ästhetik verliert ihren Wert, da sie sich abgrenzen möchte und mit anderen Teilbereichen der kunstnahen Theorien nichts zu tun haben möchte. Sie schießt sich damit selbst ins Bein!

Ist die Ästhetik relevant?

Können wir die Ästhetik nicht einfach weglassen, wenn sie doch anscheinend nur aufzeigt, ob ein Gegenstand schön oder unschön ist? Da wird nicht funktionieren, da sie ein wichtiger Bestandteil der Philosophie ist. Sinn und Berechtigung der Ästhetik als Disziplin der Philosophie liegt nicht darin, ein Teil der menschlichen Praxis zu sein. Viel eher ist es das Verständnis der besonderen und kunstvollen Weise des sinnliches Erfassen und Darstellen, es besser zu verstehen. Genau das ist das Interesse der Philosophie, die zur Ästhetik führt – sie definiert sich als philosophische Disziplin.
Wie wichtig Ästhetik wirklich ist, definiert sie durch ihre Merkmale. Das Ästhetische ist die Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis und wird in 2 mal 2 Bereiche aufgeteilt. So richtet sie sich auf das sinnliche Erfassen und Darstellen generell und auf seine speziellen kunstvollen, unter anderem schönen Vollzüge. Kunsttheorie und Epistemologie werden zusammengeführt.

Tabelle zur Kunsttheorie und Epistemologie

Zur Kunsttheorie gehört die spezifische, kunstvolle Weise, die das sinnliche Erfassen und Darstellen erklärt. Bei der Epistemologie geht es um das sinnliche Erfassen und Darstellen generell, die sich in seiner gewöhnlichen und geläufigen Gestalt richtet. Beide Merkmale sind für das Konzept der philosophischen Ästhetik essentiell. Die Ästhetik kann mehr zum einen oder anderen der Bereiche neigen, entweder zur speziellen Theorie kunstvoller Gestalten oder Theorie des Sinnlichen.

Die philosophische Ästhetik gewinnt an Wachstum

Das Wachsen der philosophischen Ästhetik wird schon in einem Text von Leibniz (1684) angedeutet. Hier geht es darum den sinnlichen Vorstellungen vom Farbe, Gerüchen und Geschmacksempfindungen einen klaren Charakter zu verleihen. Mit Charakter wird dabei die Idee gemeint, eine klare Definition der sinnlichen Vorstellung. Doch auch wenn diese Art von Vorstellung eher verworren und nicht wirklich definierbar ist (Geschmacksempfindung kann nicht exakt wiedergegeben werden), so ist sie dennoch nicht »dunkel«, da die dargestellte Sache wiedergegeben werden kann. Wichtig ist auch die Neubestimmung des Sinnlichen, die Leibniz als Beleg für die Entstehung der Ästhetik anführt. So sagt er, dass wir Maler und Künstler als angemessen ansehen, allerdings auch die Schönheit sowie Fehler in der Kunst sehen, die wir nicht genau definieren können. Ist es jetzt schön oder nicht, warum finden wir etwas schön oder unschön? Wenn wir vielleicht im Bild etwas vermissen, können wir den Grund des Urteils nicht angeben, da wir nicht genau erklären können, was im Bild fehlt. Das ist ein Beispiel einer spezifischen Art sinnlichen Könnens, Erfassen und Beurteilen, das niemals definiertes Wissen sein kann. Somit ist das sinnliche Erfassen kein begründetes Geschehen sondern viel mehr eine unbewusst, persönliche Wertung.

Umstellung des Grundgedanken der Philosophie

Dieser »ernste Blick«auf die Kunst und das Ernstnehmen der kunstvollen und künstlerischen Gestaltung, erzwingt eine Umstellung der philosophischen Grundbegriffe. Denn das sinnliche Wahrnehmen wird durch unkontrollierbare äußere Einwirkungen sowie unkontrollierbare inneren Verarbeitungen (Fantastereien und Einbildungskraft) zusammengesetzt. Wäre es nicht wichtig, die Unkontrollierbarkeit zu verhindern und unsere Sinne zu trainieren? Durch »ästhetische Übungen« können wir einen Gegenstand oder ein Thema mit ganz anderen Augen sehen – Eigenschaften und Qualitäten zuverlässig unterscheiden. Durch das Lernen heißt es allerdings nicht, dass wir Unterschiede genauestens nach Regeln eingrenzen, sondern auch hier stark von unserem persönlichen Geschmack ausgehen. Dadurch hat das Nachdenken über eine künstlerische Arbeit weitreichende Konsequenzen für das Verständnis, zuerst von der Sinnlichkeit vom Empfinden, dann von der Praxis überhaupt. Entscheidend ist, dass das »ästhetische« Nachdenken über die künstlerische Praxis, die Kraft und Sinn besitzt, das kulturelle Selbstverständnis in seinen Grundelementen zu verändern.

Die Kritik der Kritik

Es betrifft die Philosophie in ihrem Innersten, ihr Selbstverständnis. Das Ästhetische wird ein Teil der Philosophie, sie wird verinnerlicht. Es wird zu einem der Untersuchung würdigen Gegenstand der Philosophie. Dennoch wird die Ästhetik in seinen Auswirkungen verkannt, da es nicht nur ein bloßer Gegenstand sein kann. Ästhetik ist viel mehr das Untersuchen von Formen ästhetischer Praxis, die das Denken der Philosophie über Formen und Bedingungen menschlicher Praxis in Frage stellt. Die Philosophie kann nur so reflektieren, dass es zur philosophischen Reflexionsweise passt und so in ein Gegensatz tritt. Die Konsequenz in dieser Form kann verweigert oder anerkannt werden. Das bedeutet, dass die Kritik akzeptiert und wahrgenommen oder aber widersprochen wird. Was der Philosophie gleicht, lässt sich allerdings nicht auf die philosophische Ästhetik übertragen. Denn die Ästhetik kritisiert in einer anderen Form und kann trotz der Verinnerlichung in der Philosophie ihre Art, einen Gegenstand zu sehen, nicht unterwerfen.

Was ist Kritik?

Kritik ist zunächst die objektive Unterscheidung oder Entscheidung der Wahrnehmung, in der wir unsere persönliche Meinung offenbaren – schlicht und ergreifend ob wir es gut oder schlecht finden. Kritik selbst ist keine philosophische Idee oder Methode. Sie beschreibt grundlegend die Operation der Differenzierung zwischen gelingen und Misslingen. Insofern existiert keine Praxis, die ohne Kritik bestehen könnte. Entscheidend für die »ästhetische Kritik« ist jedoch, dass die Selbstreflexion der Praxis, keine »solche« Kritik ist. Sie reflektiert zwar die gewöhnliche Praxis, aber nicht in der Form der Philosophie.

Ist die Ästhetik kritisch?

Was wäre denn, wenn die Ästhetik »kritisch« wäre und einen Beitrag dazu leistete, wie wir etwas besser machen könnten? Das Bild sollte dunkler sein, die Farben sind ungünstig gewählt, die Mittel wie zum Beispiel Acrylfarbe wirken unpassend. Wenn eine solche reflexive Konzeption des Ästhetischen richtig wäre, dann hätte die Ästhetik keine Daseinsberechtigung, keine spezifische Kompetenz. Es würde so nur der allgemeinen Kritik gleichen.
Interessant zu sehen ist, dass die Ästhetik und ihre reflexive Verfassung die Praxis als eine spielerische Entfaltung von Kräften, statt begründet und urteilbar, definiert. Daraus entsteht auch der Streit der Ästhetik: Während die Philosophie praktische Vollzüge, Möglichkeitsbedingungen und die Fähigkeit der Unterscheidung und Entscheidung analysiert, wendet die Ästhetik die philosophische Reflexionsweise auf die ästhetische Praxis an. Es fragt nach den Möglichkeitsbedingungen des Gelingen, zeitgleich weist die ästhetische Praxis eine reflexive Perspektive auf, die der philosophischen Reflexionsweise widerstreitet.
Durch das Entfalten des Streites zwischen der Ästhetik und der Philosophie, wird die Ästhetik zur Kritik der Kritik. Im Hinblick auf die ästhetische Praxis entwickelt sich die Kritik der Kritik zur Metakritik, die eine Freiheit von der Kritik, gar von der freien Meinungsäußerung, einschließt. Die Frage die sich jeder stellen sollte, der Teilnehmer an der gewöhnlichen und ästhetischen Praxis ist: Wie lassen sich beide Kritiken in ihrer Form sowie in ihrem Streit miteinander verknüpfen?

Was meint ihr denn dazu? Die Metakritik (die Kritik die über der eigentlichen Kritik steht), möchte mit der Ästhetik seine Vorgehensweise definieren… dabei versucht sie andere künstlerische Theorien und damit die herkömmliche Kritik zu unterbinden. Ist das der richtige Weg?

Veröffentlicht von

Thomas Noschka

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2 Gedanken zu „Die Dialektik der Ästhetik – der große Philosophie-Streit“

  1. Jetzt steh ich auf’m Schlauch. Warum wird ein Bild durch Ästhetik bewertet, wenn sich doch einmal: mehr und genauere Gedanken gemacht worden SIND, und zweitens: auch alles in Einzelteilen, Teil für Teil und Farbe für Farbe gemalt worden ist. Das würde doch bedeuten, das kein ästhetisches Bild hergestellt werden kann, weshalb man es doch auch nicht ästhetisch bewerten braucht, oder? Ich hoffe ich konnte meinen Gedanken vernünftig zur Schau stellen und ich hoffe auf Antwort.

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