21. Internationales Trickfilm Festival Stuttgart Recap

Stuttgart verwandelt sich in eine Traumwelt für Animationskünstler und Freunde von Trickfilmen: Das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) bietet sechs Tage lang die Möglichkeit, Filme aus den verschiedensten Bereichen der Animation mit all seinen Genres zu bestaunen. Mit jährlich über 80.000 Besuchern gehört das ITFS zu den wichtigsten Festivals dieser Art.
 Zahlreiche Präsentationen, Vorträge, Workshops, Filme und auch eine Game-Zone, in der verstärkt die spielerischen Fähigkeiten der Besucher herausgekitzelt werden – all das bietet das Internationale Trickfilm-Festival Stuttgart.

Ich möchte euch das ITFS näher bringen und euch täglich neue Informationen liefern, in Form des Artikels sowie einem »Follo Me Around« auf YouTube. Um Nichts zu verpassen, solltet ihr meinen YouTube Channel abonnieren und diesen Artikel als Lesezeichen abspeichern (ich werde diesen Artikel alle 24 Stunden aktualisieren). Somit ist dieser Artikel auch so aufgebaut, dass ihr die aktuelleren Informationen auch weiter oben bekommt, ist aber auch leicht am Datum erkennbar.

In meiner ITFS-Video Serie habe ich vor allem die interessanten Einblicke aus den Drehbuch-Workshops lediglich angeschnitten, nicht näher erläutert. Daher habt ihr hier jetzt die Chance, tiefer in die einzelnen Workshops einzusteigen, da ich meine Informationen hier stärker ausgearbeitet habe. Viel Spaß mit eurem neuen Wissen.

ITFS Sonntag: 28.04.2014

Der letzte Workshop des Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart wurde von Rao Heidmets gestaltet. Der Titel: »So wird deine Story noch verrückter«. Gefreut hat es mich sehr, dass gleich am Anfang das Buch von Lev Manovich »The Language of New Media« vorgestellt wurde. Dieses Buch bzw. Ausschnitte davon habe ich nämlich in meinem Studium gelesen, tolles Buch.

Die Take Aways in seinem Workshop lauteten: Deine Story muss fantasievoll und gleichzeitig logisch sein, um glaubwürdig rüberzukommen. Zur Fantasie ist zu sagen, dass es zwei Dinge sein müssen, die nichts miteinander zu tun haben. So ist es ratsam andere Positionen einzunehmen bzw. zu finden, die im täglichen Leben zu erwarten sind. Lustige Beispiele wären: Ein Mann verlässt seine Familie voller Wut, Frau und Kinder weinen und trauern. Dann kommt er nur wenige Sekunden später rein und alle Familienmitglieder freuen sich darüber. Allerdings wollte er nur noch schnell das Licht ausmachen, ganz nach dem Motto »Beim Verlassen bitte Licht ausschalten«. Anderes Beispiel: Vater und Kind sind beim Einkaufen, dabei schreit das Kind die ganze Zeit und wirft Dinge aus den Regalen. Danach erscheint der Werbeslogan »Benutze lieber Kondome«.

Die Beispiele sollen zeigen, dass eine andere Perspektive einzunehmen, um auf Dinge zu schauen, viele neue und kreative Ideen hervorbringen kann. Denke dir also eine fortlaufende Geschichte aus, als Training kann das auch mit einem Bild aus dem Internet sein. Bilder erzählen Geschichten – erzähle sie weiter.
Auch gab es von ihm Tipps zum Character Design: Man kann überall und aus allem einen Charakter bilden. So kann Popcorn zum Beispiel dazu genutzt werden, neue Figuren zu erstellen. Popcorn als ein Element einer Figur.

Live Let‘s Play die Zweite

Auch am Sonntag gab es um jeweils drei Uhrzeiten ein Live Let’s Play von mir. Nähere Details könnt ihr unten entnehmen. Wer Interesse an einem Speaker für Design, soziale Medien oder Geschäftsmodelle hat – gerne bei mir melden.

Der Abschluss des ITFS – Planes

Der große Schluss brachte der Animationsfilm Planes, der mit Cars vergleichbar ist. Auch ein sehr shcön gemachter Film, der für mich persönlich allerdings der Schwächste war. Der Hauptcharakter hatte für mich zu wenig Persönlichkeit, irgendetwas hat mir gefehlt.
Zum Schluss hatte ich noch in der »Aftershow-Party« in der Gloria Passage ein aufschlussreiches Gespräch mit Max Howard, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

ITFS Film Planes

ITFS Samstag: 27.04.2014

Nach dieser Woche kann ich für mich sagen, dass der Drehbuch-Workshop am Samstag der Beste war. Die Legende Max Howard stellte uns die »Entwicklung einer wirkungsvollen Geschichte sowie effektiver Präsentationsstrategien« vor. Angefangen hat er mit der Frage, was ein Produzenz können muss. So ist die höchste Priorität die Balance der Filmkreation mit dem Budget. Wie nutze ich die vorgegebene Zeit und wofür gebe ich das Geld (Budget) aus? Setze das Geld dort ein, wo es auch tatsächlich Sinn macht. So wurden beispielsweise bei Disney’s »Mulan« die Haare oftmals als Dutt dargestellt, um das komplizierte und zeitaufwendige Animieren der Haare wegzulassen – ziemlich schlau gelöst und spart eine Menge Zeit.

Beim Charakter selbst ist das Design wichtig, welcher dann die Story selbst definiert. Hierbei fielen die Begriffe »Great Story«, »Believable World« sowie »Engaging Character«. Diese 3. Punkte sollten beherzigt werden, wenn eine wirklich schöne Geschichte erzählt werden soll, zumindest ist das die halbe Miete.
Aber wie sieht eine solche Story aus? Die Struktur einer Geschichte in Form von 8 Schritten, erzählte und Max Howard am Beispiel von »Findet Nemo« wie folgt:

  1. Wo sind wir, wer sind wir? Wir befinden uns im Riff und dort leben wir.
  2. Etwas passiert, das Abenteuer ruft! Nemo wird gefangen genommen.
  3. Auf geht’s ins Abenteuer! Auf der Suche nach Nemo.
  4. Die Reise. Zusammentreffen von Figuren, erste Auf und Abs.
  5. Wir haben es gefunden, kommen aber nicht ran. Wir haben Nemo gefunden.
  6. Geschafft, aber etwas Unerwartetes passiert. Neuer Filter im Aquarium.
  7. Herausforderung gemeistert, zurück mit dem Schatz. Wieder mit Nemo vereint.
  8. Das Leben ist nicht mehr das Selbe. Held ist auf seiner Reise gewachsen. Marlin vertraut Nemo mehr.

Max Howard sagt zu den Regeln jedoch auch: Brecht sie! Wenn ihr die Regeln versteht, die ihr brecht und auch wisst, warum ihr es tut, dann ist das vollkommen okay. Außerdem: Stelle dir bei jeder neuen Story die Frage: Warum und Wie? Warum muss dies und jenes in der Geschichte passieren? Wie genau wird das passieren?

Der zweite Teil des Workshops drehte sich um das Pitchen, um im Wettbewerb gegen andere Agenturen die Nase vorne zu haben. Schritt Nummer 1. lautet: Versuche deine Geschichte bzw. Idee in nur wenigen Sätzen auszuformulieren, denn wer weiß wie viel Zeit zur Verfügung steht. Je prägnanter und kompakter erzählt, desto besser. Als Beispiel dient der Aufzug: Ihr trefft eine Persönlichkeit, mit der ihr zusammenarbeiten möchtet. Der Aufzug fährt 14 Etagen hoch und ihr habt vielleicht eine knappe Minute Zeit, bis die jeweilige Person aussteigt. Wie überzeugt ihr sie in solch einer kurzen Zeit, mit euch zusammen zu arbeiten? Oder auch der Twitter-Pitch: In nur 140 Zeichen überzeugen. Das könnte durchaus eine tolle Übung sein.

Kenne deine Zielgruppe, dein Publikum und begeistere sie in kürzester Zeit. Albert Einstein brachte hierzu einen schönen und ziemlich treffenden Spruch: Wenn du deine Idee nicht simpel erklären kannst, verstehst du sie selbst nicht genau. Be committed, be concise, no excuses.
Max Howard besitzt im Übrigen eine Visitenkarte mit integriertem USB-Stick, um dem Unternehmen bei einem Zusammenkommen die Präsentation direkt mitzugeben. Ziemlich schlauer Tipp.

Live Let‘s Play

Im Gegensatz zu den anderen Tagen, sieht mein Nachmittag ziemlich ausgebucht aus. Um jeweils 15, 17 und 19 Uhr hatte ich mitten auf dem Schlossplatz auf dr großen Leinwand einen Live Act. Und zwar spielten wir hier ein Spiel mit dem Namen »Sonic Allstar Racing: Transformed«, welches von mir zusätzlich kommentiert wurde. Eine Kostprobe kann ich euch leider nicht geben. Wer sich trotzdem mal ein Let’s Play von mir ansehen möchte, der kann sich gerne mal meine Just Dance Serie anschauen.

Generell ist zu sagen, dass ich neben dieser Unterhaltung auch über Design, soziale Medien und Geschäftsmodelle referiere. Wer mehr erfahren möchte und mich gegebenenfalls als Speaker buchen möchte, kann mich an dieser Stelle gerne kontaktieren.

Die Eiskönigin – Völlig Unverfroren.

Der krönende Schluss des Abends war im Open Air Kino der Animationsfilm Die Eiskönigin – Völlig Unverfroren. Typisch Disney gespickt mit vielen Gesangseinlagen. Ein ziemlich starker Film, der die Emotionen hochkochen lässt. Klare Empfehlung von mir, sehr schön.

ITFS Eiskönigin

ITFS Freitag: 26.04.2014

Das Internationale Trickfilm Festival Stuttgart startet mit dem Drehbuch-Workshop von Mareike von Studio Fizbin. Titel dieser Session »Finde den Hanukel! – Kreatives Character Design für Games«. Gestartet wird mit den Basics, wie der Charakter im Wesen sowie in der Gestalt ist. Dazu ein paar Beispiele:

  • Gestalt: Mensch, Stinktier, Kaffeetasse, …
  • Wesen: Mutter, Freund, Mentor, Dieb, …

Wenn sich die Gestalt mit dem Wesen unterscheiden und somit einen Widerspruch ergeben, gestaltet sich der Charakter als äußerst interessant. Wie wäre es mit einem Türsteher, der gerne im Ballet tanzt?

Der nächste Schritt ist die Überlegung der Tätigkeit des Charakters, beispielsweise ganz klassisch die Welt retten oder mit seinem eigenen Leben zurecht kommen, was wir unter dem Charakter Design von Donald Duck kennen.

Persönlichkeit ist ein weiterer Faktor: Intelligenz, Antrieb, Moral, Freundschaft, Zufriedenheit und das Vertrauen werden hierbei bestimmt. Auch das Setting ist wichtig: Ist der Charakter ein Außenseiter, Fremder oder guter Kumpel?
Unterschätzt wird die so genannte »Secondary Action«, da diese sichtbar macht, was der Charakter denkt. Als Beispiel: Eine Frau ist total sauer und hackt wie verrückt auf dem Fleisch fürs Mittagessen rum, sagt aber, dass es ihr richtig gut geht. Für mich persönlich ein sehr genialer Trick, der so viele Spielmöglichkeiten und Witz in sich trägt.

Der nächste Punkt ist das Design Styling, dazu gehört das Staging, die Pose dazu. Die Pose soll das darstellen, was man sagen möchte. Dazu dienen folgende drei Punkte:

  • Lesbarkeit: Erkennt man, was man sagen möchte? Würde man die Figur auch erkennen, wenn sie eine schwarze Silhouette wäre? Achtet auf die Perspektive.
  • Line of Action: Dynamische Linien für Bewegungen. Schlage ich einen anderen Charakter, muss die Linie sehr dynamisch und nicht statisch wirken. Denn wie gesagt: Leichte Übertreibung, was vor allem im Cartoon wichtig ist, sollte nicht außer Acht gelassen werden.
  • Powercenter: Das was groß bei einem Charakter wirkt, ist das Powercenter. Beispielsweise einen großen Oberkörper für Stärke.

Gerade wenn es mehrere Charaktere gibt, sollten diese bestenfalls verschieden aussehen, um mehr Facetten zu zeigen. Bei drei Affen, könnte jeder eine andere Grundform als Körper besitzen – Quadrat, Dreieck und Kugel.

Studiopräsentation Sehsucht

Spannende Einblicke gab es in der Studiopräsentation von Sehsucht aus Berlin. Design besessene Mitarbeiter, die aus jedem Detail eine narrative Umgebung erschaffen. So arbeiteten sie unter anderem für MTV und Nike, wo unglaublich tolle Animationen entwickelt wurden.

Nach ihrer Vorstellung sprach ich noch mit Christian, der einer der Speaker war. Ein sehr interessantes Gespräch. Bei der Frage, mit welchem 3D-Programm gearbeitet wird, kam die Antwort »Cinema 4D«. Sollte also nicht unterschätzt werden, ein Programm das man unbedingt auf dem Schirm haben sollte. Auch tolle Plugins soll es dafür geben. Danke für den Tipp, Christian.

Der Indie Talk

Indie Game Entwickler haben uns einen Einblick in ihre Arbeitsweise gegeben. Neben den vorgestellten Spielen, wurde offen und ehrlich darüber erzählt, dass Projekte auch manchmal einfach gekickt wurden, da man merkte, dass die Zielgruppe damit nicht richtig angesprochen werden würde. Zwei andere Entwickler erzählten, dass sie an »One Game A Month« teilnahmen, um auch wirklich regelmäßig neue Spiele zu veröffentlichen. So entstanden (manchmal durch Selbstzwang) richtig lustige Spiele, wodurch sich auch eine große Community bildete. Beide bereuen dieses Jahr, in dem sie diese Challenge auf sich nahmen, kein Stück. Was man für sich mitnehmen kann: Veröffentlichte regelmäßig ein Spiel, bestenfalls monatlich, was natürlich vom Umfang abhängt.

Laika und »The Croods«

Am Abend habe ich mir die Studiopräsentation von Laika aus Portland angesehen. Liebevoll gestaltet wird die Animation mit Puppen. Ziemlich aufwendig für jeden Charakter eine Puppe zu basteln, die im Film auch nur wenige Millimeter bewegt wird, um so nach und nach eine Animation zu entwickeln. Sehr großer Aufwand, dafür ein einzigartiger Stil der sich sehen lassen kann.
Danach ging es auch schon in das Open Air Kino zum Film »The Croods«. Nach der gesamten Woche blieb mir dieser Film am stärksten im Kopf hängen. Ich habe diesen nämlich zu Beginn unterschätzt und muss am Ende sagen, dass er mir von allen doch am Besten gefiel. Richtig schöner Film, den ich mir jederzeit wieder ansehen würde.

ITFS The Croods

ITFS Donnerstag: 25.04.2014

Tag 2. auf dem Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart. Los geht’s mit dem Drehbuch-Workshop. Diesmal von Eric Shaw, der unter anderem für das Script von 15 Spongebob Schwammkopf Episoden verantwortlich ist – der muss es also wissen! Sein Workshop trug den Titel »Herz, Verstand und Seele – Entwicklung von Figuren und Geschichten für animierte Fernsehserien«. Hier gab es wirklich viel zu lernen, ich bin schwer begeistert. So fragte er sich, warum er Filme im Fernsehen schaut und beantwortete die Frage mit »Weil die Charakter ‚unique‘ sind«. Einzigartige und unverwechselbare Charakter haben einen Wiedererkennungswert, Zuschauer wollen auf dem Laufenden bleiben und mehr davon sehen.

Bespiele deinen Charakter mit Herz, Verstand und Seele. Wofür lebt er, was sind seine Hobbys, wovor hat er Angst, wie sieht es mit seinem Bildungsstand aus?

  • Herz: Was liebt die Figur, wie transportiert es die Liebe und warum liebt es?
  • Verstand: Sein Bildungsstand, wie agiert die Figur, wie nutzt es das Gehirn?
  • Seele: Warum tut es Jeweiliges und wo befindet es sich, wo ist es zu Hause?

Außerdem: Die besten Geschichten entstehen, wenn man sich die Frage »What if…« stellt, um für einen Charakter eine lustige und spannende Geschichte zu gestalten. Was wäre, wenn der Charakter die Verpackung eines Schokoriegels nicht öffnen könnte? Wie würde es dieses öffnen? Vielleicht mit einem Presslufthammer? Ihr seht schon, die Frage lässt alles ermöglichen, so simpel kann es doch sein!?

Lerne, den Charakter zu verstehen, in all seinen 3 Komponenten. Nur dann lässt sich eine vernünftige Geschichte dahinter aufsetzen. Je mehr Probleme der Charakter hat, desto besser! Dadurch fallen die Dialoge einfacher aus, ohne lange darüber nachzudenken und die Geschichte kann schneller voranschreiten, ohne unnötig auszuschweifen.
In Kurzform erklärt, sieht eine Geschichte folgendermaßen aus: Welt definieren, Charakter hat ein Problem, Problem wird größer, alles ändert sich (Twist) usw. Denke größer und verrückter, im Film muss jede Bewegung etwas übertriebener ausfallen.

In Persona

Jannik Hastrup präsentiert seinen Langfilm »Hans Christians Andersens langer Schatten«, der im Jahr 1998 erschien. Hier fällt sofort wieder der einzigartige Stil des Films ins Auge, Aquarell in Kombination mit schwarzem Fineliner – super! Sehr düsterer Film, der typische Merkmale eines Trickfilms aufweist. Sein Film mit dem Eisbär (auch darüber habe ich in diesem Artikel berichtet) gefällt mir persönlich aber um einiges besser.

Education Talk

Ein dreieinhalb Stunden langer Education Talk präsentierte Hochschulen, die Game Design für zukünftige Bachelor- oder Master-Absolventen anbieten. Neben der Hochscule der Medien und der Merz Akademie in Stuttgart, war auch das Kölner Game Lab, die Filmakademie Ludwigsburg, die Games Academy in Berlin sowie das Department of Game Design in Schweden vertreten. Schön, dass in den Vorträgen in erster Linie Studienarbeiten gezeigt wurden, so konnte man schnell einen Einblick bekommen. Wer sich dafür interessiert, sollte sich die einzelnen Angebote näher anschauen und abwägen, welche Bereiche abgedeckt werden, um das beste Studium für sich zu wählen. Demzufolge nicht nur auf den Titel und der Beschreibung achten, sondern auch einen Blick auf die einzelnen Semester-Module werfen, was genau dort unterrichtet wird.

Ein kurzer Abstecher in das Kino Gloria – dort gab es Best of Animation 2 zu sehen, kuratiert von Tsvika Oren. Sehr schöne Animationsfilme, nicht der typische Einheitsbrei und erfrischend Neues waren. Es müssen nicht immer knallbunte oder detaillierte Charakter auf der Leinwand zu sehen sein. Auch Silhouetten können spannende Augenblicke schaffen – seid kreativ! Danach warteten noch spannende Filme im Open Air Bereich – tolle Atmosphäre mit all den anderen Menschen gemeinsam einen Film anzusehen.

ITFS Mittwoch: 24.04.2014

Der erste Tag auf dem internationalen Trickfilm Festival Stuttgart beginnt mit dem Drehbuch-Workshop von John Chambers. »Gedanken beim Schreiben für Kinder. Ein bisschen Theorie und ein wenig Praxis« lautete hierbei der Titel. John erzählte, dass ein interessanter Charakter viele Möglichkeiten besäße, um eine wunderbare Geschichte zu erzählen. Eine spannende Persönlichkeit als Charakter, ermöglicht vielseitige Facetten, die den Plot, die Narration, die Geschichte wie von selbst entstehen lässt.

Er selbst erzählt, dass er bei der Cartoon-Serie »Little Molly Monster« mit Sicherheit 50 weitere Episoden schreiben könnte, aufgrund des interessanten Charakterzuges des Drachen. Und so kommen wir auch zum Thema: Schreibe für Kinder! Für einen Kinderfilm ist es wichtig zu versuchen, wie ein Kind zu denken, nicht wie ein Erwachsener. Kinder sind neugierig, hinterfragen mehr und sind nicht der Gewohnheit unterworfen.

Ein nettes Beispiel zeigte er mit einem Bild, welches ich kurz beschreiben möchte: Ein großer Turm mit einer Tür. Oben auf dem Balkon steht eine Prinzessin und unten ein junger Knabe. Wenn ihr das Bild sehen würdet, hättet ihr bestimmt sofort »Rapunzel« gesagt. Das Bild zeigte er seiner Tochter… die das aber nicht sagte. Nicht etwa, weil dies jeder von uns wahrscheinlich denken würde, nein, sie hat es exakt richtig gesehen: Es kann nicht Rapunzel sein, weil der Turm eine Tür besaß, womit die Prinzessin theoretisch fliehen könnte bzw. der Knabe nicht mithilfe ihrer Haare hochkommen müsste. Kinder merken und sehen sich jedes Detail genau an, was nicht unterschätzt werden darf.
Simpel sollte eine Geschichte sein, simpel und aussagekräftig, nahezu übertrieben. Am Besten erreicht ihr die Menschen, wenn ihr sie damit ansprecht und etwas außergewöhnliches mit einbringt. Beispiel: Ein 23 Jähriger fährt zur Uni… und verliert in der Bahn sein linkes Bein. In dem Fall spreche ich Menschen in meinem Alter an, wobei in der Geschichte etwas passiert, das nicht unbedingt alltäglich ist.

Der Junge der ein Bär sein wollte

Der Trickfilm mit dem Titel „Der Junge der ein Bär sein wollte“ richtet sich an jüngere Zuschauer und stammt von Jannik Hastrup, der heute als der erfolgreichste Zeichentrickfilmer Dänemarks gilt. Im Film geht es um das Dilemma eines Menschenjungen, der bei Bären aufwächst und seine Identität als Mensch nicht akzeptieren möchte. Ganz großes Lob an dieser Stelle ich liebe den Stil des Trickfilms. Gezeichnet ist das Ganze mit Aquarell für den Hintergrund und starke Konturen für die Charakter. Eine ausgewogene Verteilung der Aufmerksamkeit durch die Wahl der Technik der Farben.

Blue Sky Studios

Eine Studiopräsentation der Blue Sky Studios von Senior Animator »Chip Lotierzo«. Er erläutert wie jede Einstellung der Kamera im Animationsfilm Rio2 mit Rhythmus und Energie gefüllt wird. So wäre ein wichtiger Punkt die Line-Quality. Zeichne ich beispielsweise einen süßen Hund, wirkt er je nach Art der Zeichnung sehr weich und knuffig. Sind die Konturen des Hundes allerdings etwas zackiger, kann es schön zersaust und fast schon böse aussehen. Allein diese kleine Veränderung zeigt schon, wie stark und mit wenigen Mitteln ein kompletter Charakter eine ganz neue Aussagekraft bekommt und anders wahrgenommen wird.

Für den Film Rio2 haben die Entwickler noch die Gesichtsausdrücke näher erklärt. Wie werden diese so genau ermittelt? Wenn möglich, wird die zu animierende Szene nachgesprochen, um ein Gefühl für Mimik und Gestik zu bekommen. Diese Grundlinien die dabei entstehen, beispielsweise eine Kopfbewegung, werden als Grundraster für die Animation verwendet.
Interessant könnte hierbei auch die erwähnte Laban Movement Theory sein, die die Bewegung des Menschen beschreibt, visualisiert, interpretiert und dokumentiert. Anhand dieser Theorie wird das Auge effizienter für Bewegungen geschult. Das ist alles aber recht harter Tobak, schaut euch bestenfalls den Wiki-Eintrag der Laban Movement Theory an.

Animationsfilm »epic«

Zum Schluss lief im Open Air der Animationsfilm Epic – Verborgenes Königreich. Und der Film war wirklich epic, sehr schön animiert, spannender Plot. Ich selbst möchte aber diesen Film nicht näher erklären und euch die Spannung nehmen. Kann es jedenfalls empfehlen, hat mir persönlich gut gefallen.

Zusammenfassung

Ein wirklich sehr schönes Festival, das ITFS. Sehr viel gelernt und mitgenommen, viele Leute kennengelernt. Zusätzlich zu diesem Blog-Artikel existiert noch eine 5-teilige Videoserie. Schaut euch dazu einfach die ITFS Playlist zum Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart an.
Ich persönlich habe auch einen neuen Blick für mein Leben bekommen, so theatralisch das auch klingen mag. Meine Gedankengänge habe ich in Form eines Videos festgehalten. Wer etwas Zeit besitzt, kann sich dieses Video gerne anschauen:

Veröffentlicht von

Thomas Noschka

Hallo, ich bin Thomas – Blogger, Grafik- und Interface Designer. Ich skate gerne, trinke Tee, reise oft und sehe das Internet als große Spielwiese an. Wenn du mehr über mich wissen möchtest, dann besuche mich auf Twitter, Facebook, Google+ und YouTube

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